"zu empfindlich, zu unaufmerksam, zu emotional.."


Zu empfindlich, zu unaufmerksam, zu emotional… die Liste ist lang. Was ist falsch mit mir? Wieso überwältigen mich Situationen mehr als andere? Wieso drifte ich manchmal einfach weg? Wieso wechselt meine Stimmung so schnell von heiter, zu getrübt? Wieso muss ich mich plötzlich zurückziehen, wo es doch gerade so schön war? Wieso kann ich oft nicht spüren, was ich brauche und benötige so viel Zeit um Entscheidungen treffen? Wieso bin ich so schnell müde, wenn ich längere Zeit mit Menschen zusammen bin? Wieso weiß ich manchmal Dinge, noch bevor sie passieren? Was ist Meins, was ist Deins? Vor ein paar Jahren bekam ich eine Antwort auf all die Fragen – Hochsensitivität/-sensibilität. Das Nervensystems wird durch viele Sinneseindrücke überflutet. Durchatmen - ich bin nicht krank. Ich bin nicht falsch. Ich bin ok. Ich bin ich. Die Herausforderungen, sind damit aber nicht verschwunden. Ich spüre nicht nur Emotionen von anderen Menschen, sondern manchmal auch die Worte. Ich spüre sie körperlich. Ich werde nervös, spüre einen Schmerz oder mir wird schwindelig. Nicht weil die Worte persönlich an mich gerichtet sind oder die kognitive Botschaft so schlimm wäre, sondern weil ich die unausgesprochene Energie, die Absicht dahinter spüre. Die Abweichung zwischen den gesprochenen Worten und der unbewussten Botschaft dahinter, bringt mich oft in einen Zwiespalt. Es verursacht Zweifel und ein Gefühl von Schuld wenn ich die Worte von meinem Gegenüber anzweifle, weil die Emotion, die in mir aufkommt, eine andere ist. Diese Reize können mich überfordern und bringen mich in den Rückzug – ich versinke in meiner Welt. Ich brauche Zeit, um meinen Raum zu finden, Entscheidungen zu treffen, zu spüren was zu mir gehört. Meistens geschieht der Rückzug unbewusst, weil ich intuitiv spüre, dass es genug ist. Der größte Konflikt entsteht aber in engen Beziehungen, wo die Grenzen zwischen dem „Ich, Du und Wir“ fließend sind. Da werde ich gefordert, manchmal überfordert. Die Waage zu halten zwischen Verbundenheit und Abgrenzung, ist mein Lebensthema. Aber ich sehe auch das Potential dahinter. Ich kann Menschen gut einschätzen. Ich bin nicht nachtragend, weil ich die Not hinter einem Verhalten sehen kann. Ich bin eine gute Zuhörerin und kann Impulse mit auf den Weg geben. Schöne Momente beflügeln mich genau so stark, wie mich die negativen schwächen. Und das größte Geschenk, ist in meiner Arbeit als Heilpraktikerin. Da unterstützt mich die Sensitivität vor allem in den schamanischen Reisen und beim Spiegeln von Gefühlen, wenn den Klienten der Zugang dazu fehlt.

Manchmal möchte ich das alles nicht, möchte unbeschwerter durchs Leben gehen können, aber es gehört zu mir und ich versuche jeden Tag ein bisschen besser und bewusster damit umzugehen.