"Eigenverantwortung hilft uns aus der Opferrolle auszusteigen"


Verantwortung übernehmen, ist oft mit negativen Assoziationen wie Schuld und Bestrafung verbunden. Vielleicht wurden wir als Kind bei fehlerhaftem Verhalten mit Konsequenzen bestraft, mit Abwertung und Liebesentzug. Wir haben uns zurückgewiesen und ausgeschlossen gefühlt. Aus diesen elterlichen Konsequenzen haben wir gelernt, Verantwortung mit Zurückweisung gleichzusetzen. Aus dem Gefühl der Zurückweisung kann nicht nur Schuld, sondern auch Scham entstehen. Wir schämen uns dafür, nicht richtig gehandelt zu haben, falsch oder nicht liebenswert zu sein.

Bei Eigenverantwortlichkeit geht es aber nicht um eine Bewertung, was man wann und wo falsch gemacht hat. Es geht vielmehr darum, sich zu reflektieren und sich seiner Werte bewusst zu werden.

Es ist das Gefühl von Verbunden-Sein mit sich selbst, seinem Gewissen, seinen Werten und Handlungen.

Selbstverantwortlich zu sein, bedeutet die Konsequenzen für die eigenen Emotionen und

Handlungen anzuerkennen und dafür einzustehen.

Wo Eigenverantwortung fehlt, kommt das Gefühl auf, die anderen sind schuld für unsere Emotionen, unser Leben oder unseren Zustand. Wir halten uns selbst gefangen, fühlen uns als Opfer der Umstände und empfinden Machtlosigkeit. Wir fühlen uns ohnmächtig und ausgeliefert. Hier ist es wichtig anzuerkennen, dass wenn wir z.B. in der Kindheit emotionalen oder körperlichen Missbrauch erfahren haben, es auf keinen Fall darum geht den „Täter“ aus seiner Schuld zu entlassen oder die daraus resultieren Konsequenzen zu ignorieren. Es ist aber kein Verrat an sich selbst, wenn man für seine Gefühle, die durch emotionale oder körperliche Verletzung hervorgegangen sind, Verantwortung übernimmt. Es geht darum, dass wir in die Selbstwirksamkeit für unser eigenes Leben kommen und uns dazu entscheiden, dem „Täter“ nicht die Macht darüber zu geben, wie unser Leben in Zukunft zu sein hat. Dieses Gefühl von Selbstbestimmung, kann uns aus der Opferrolle und Hilflosigkeit herausführen.

Diese Hilflosigkeit kann einem ein Leben lang ausbremsen in die eigene Kraft zu kommen, seine Bestimmung zu leben, wohlwollend zu sich zu sein um letztendlich so sein zu können wie wir sind. Eigenverantwortlich zu handeln bedeutet aber auch, sich von Fremdverantwortung zu lösen. Ich spreche hierbei nicht über eine Eltern-Kind-Beziehung, sondern einer Bindung zwischen Erwachsenen. Wir verlieren in der Übernahme von Fremdverantwortung nicht nur uns selbst, sondern wir sprechen dem Gegenüber auch die Fähigkeit ab, stark genug zu sein für sein eigenes Wohlbefinden zu sorgen. Diese Dynamik, kann besonders in Partnerschaften zu einem starken Ungleichgewicht führen, was nicht selten in einer Abhängigkeit endet. In einer Partnerschaft eigenverantwortlich zu handeln, bedeutet, dass wir nicht dazu da sind, die Verletzungen in einem

anderen Menschen zu heilen, oder wir verpflichtet sind dem Partner jedes Bedürfnis zu erfüllen,

damit es dem ihm nicht schlecht geht. Es geht vielmehr darum, sich zu erlauben, auf eine Bitte liebevoll „Nein“ zu sagen. Es geht darum Grenzen zu kommunizieren, für sich einzustehen, um im Miteinander und jeder für sich selbst, zu schauen inwieweit wir aufeinander zugehen können.